Was gute Traumatherapie braucht

Das Erleben eines Traumas verändert alles. Nichts ist mehr, wie es war. Die Seele wurde zutiefst erschüttert. Die Folgen von Traumatisierungen betreffen alle Lebensbereiche.
Solch schwere seelische Verletzungen heilen zu lassen, braucht Zeit.

Die Zeit, die für Heilung von Trauma-Folgestörungen benötigt wird, wird von einer Vielzahl unterschiedlicher  Aspekte beeinflusst.

Wird ein Erwachsener Opfer eines einmaligen Gewaltereignisses durch fremde Straftäter, stehen ihm vollkommen andere seelische, körperliche und geistige Fähigkeiten für die Bewältigung zur Verfügung, als einem Kind, das Gewalt durch seine Eltern erlebt.

Ein Mensch, der in Kindheit oder Jugend bereits traumatisiert wurde, wird auf eine erneute Traumatisierung als Erwachsener anders reagieren, als jemand, der als Kind Urvertrauen entwickeln konnte, weil er in einem liebevollen Elternhaus aufwuchs.

Es macht einen Unterschied, ob Naturkatastrophen oder technische Unglücke Ursache der Traumatisierung waren oder ob das Trauma durch Menschenhand (man made disaster) verursacht wurde.

Bei den „man made disaster“ ist es von Bedeutung, in welcher sozialen Beziehung der/die Betroffene zu dem/den Tätern stand, welches Motiv der Gewalttat zugrunde lag und über welchen Zeitraum die erlittene Gewalt andauerte.

Ebenso spielt die Art der ausgeübten Gewalt eine Rolle. Betroffene berichten oft, dass emotionale Gewalt seelisch viel verletzender war, als die gleichzeitig erlebte körperliche Gewalt. Am verstörensten wird sexualisierte Gewalt erlebt.

Es ist auch von Belang, ob die Gewalt von einem Einzeltäter oder mehreren Tätern oder von organisierten, kriminellen Gruppen ausging und ob es sich um subtile oder brutale oder sadistische oder rituelle Gewalt handelte.

Jemand mit einem gut bezahlten Job stehen andere Möglichkeiten für die Suche nach adäquater Behandlung und ggfs. einer privaten Finanzierung zur Verfügung, als Geringverdienern oder Menschen, die aufgrund von Traumatisierungen arbeitsunfähig geworden sind und über sehr geringe finanzielle Mittel verfügen.

Ein unterstützendes soziales Umfeld aus Familie, Freundes- und Kollegenkreis leistet einen enorm wichtigen Beitrag für einen gelingenden Heilungsprozess. Früh traumatisierte Menschen haben nie lernen können, dass menschliche Beziehungen Schutz und Halt bedeuten können und stehen als Erwachsene oft ohne den Rückhalt naher Bezugspersonen da.

Und nicht zuletzt hat jeder Mensch sein ganz eigenes Tempo zu lernen, zu bewältigen und seelische Verletzungen heilen zu lassen.

Zeit für Heilung heißt auch Therapiezeit in Form von Therapiestunden.
Gesetzliche Krankenkassen (GKV) bewilligen Therapiestunden bis zu einer festgelegten Höchstgrenze. Es ist sehr schwierig, eine Bewilligung für Therapiesitzungen über den Regelsatz hinaus zu erreichen.

Trauma-Heilung erfordert i.d.R. eine deutliche höhere Stundenanzahl als die Behandlung neurotischer Konflikte.

Insbesondere bei Komplex-Trauma und in ganz besonderem Maße bei Multipler Persönlichkeitsstörung (MPS/DIS) ist ein, z. T. um ein mehrfaches der zugelassenen Sitzungen, erhöhtes Stundenkontingent erforderlich.

Zwei wöchentliche Therapietermine sind hier oft so sinnvoll wie nötig. In Krisen können mehrmals wöchentliche Termine erforderlich sein. Für die Arbeit an „großen Brocken“ und die Arbeit an Trauma-Anamnese und Trauma-Exposition sind meist (zusätzlich) Doppel-Termine notwendig.
Darüber hinaus können Kontakte zwischen den Therapiestunden per Telefon und/oder Email unerlässlich sein.

Traumatherapie braucht u. U. auch begleitende Behandlung traumabedingter körperlicher Beschwerden. Behandlung durch ÄrztInnen, HeilpraktikerInnen und/oder PhysiotherapeutInnen kann für spürbare Linderung sorgen und den Heilungsprozess wirksam unterstützen.

HeilpraktikerInnen arbeiten beispielsweise mit Bachblüten-Therapie, Homöopathie, Schüßler Salzen, japanischer Akupunktur oder anderen Behandlungsarten, die den Heilungsprozess wirksam unterstützen können.

PhysiotherapeutInnen können mit Behandlungsarten wie z.B. Cranio Sacraler Therapie oder Osteopathie einen wichtigen Beitrag leisten.

Ebenso hilfreich wie notwendig kann psychiatrische und/oder medizinische Mitbehandlung durch ÄrztInnen verschiedener Fachrichtungen sein.

Die Kombination von Traumatherapie mit anderen Therapien, beispielsweise Ergotherapie, sozialtherapeutische Ansätze, Begleitung durch geschulte Mitarbeiterinnen von Fachberatungsstellen und/oder psychotherapeutisch geleitete Selbsthilfe-Gruppen, etc., können weitere Säulen der Behandlung traumatisierter Menschen darstellen.

Zukunftsmusik ist derzeit noch die Einrichtung von Schutzräumen, die schwer traumatisierten Menschen bei seelischen Krisen unbürokratisch für eine Nacht bzw. wenige Tage Zuflucht bieten.
Die Aufgabe solcher Krisenhäuser würde in der traumatherapeutischen Stabilisierung von Betroffenen in der Akutsituation bestehen. Solche Schutzräume müssten angegliedert sein an Fachberatungsstellen, damit ambulant eine weitere Begleitung durch dieselben Mitarbeiterinnen gewährleistet wäre. Enge Zusammenarbeit mit ambulanten und klinischen TherapeutInnen wäre eine weitere Voraussetzung.

Während einer Traumatherapie beherrschen, vor allem und ganz besonders in der ersten Zeit, Trauma und Trauma-Folgen und die Arbeit an Veränderung das gesamte Leben. Umso wichtiger ist es, ein Stück „normales Leben“ in den Alltag zu integrieren.

Sehr hilfreich dabei ist körperliche Betätigung. Körperliche Aktivität dient zum einen dem Abbau von Stresshormonen, die u.a. im Freeze-Zustand in riesigen Mengen ausgeschüttet werden. Körperliche Bewegung unterstützt auch die Reorientierungsfähigkeit. Durch die Beschäftigung mit dem eigenen Körper auf ungefährliche Weise, wird die Aufnahme von neuem, gutem Kontakt zu sich selbst gefördert.

Für ungefährliche körperliche Betätigung gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Spazieren gehen zum Beispiel. Joggen zum Auspowern. Tanzen ist eine freundliche Art von Bewegung. Kochen kann eine gute körperliche Beschäftigung sein. Ebenso Arbeit im Garten. Putzen. Vorsichtige Bewegungsabläufe wie bei Feldenkrais oder Yoga können wohltuend sein. Singen, allein oder im Chor, macht ein angenehmes Körpergefühl. Barfuß laufen am Strand oder über eine Wiese. Gymnastik. Sport. Fotografieren in der Natur.

Eine gewisse Stabilität vorausgesetzt, kann im WenDo-Training achtsame körperliche Bewegung verbunden werden mit Auspowern und Kennenlernen von eigenen (Körper-) Grenzen und der eigenen körperlichen Kraft und Wehrhaftigkeit.
WenDo ist Selbstverteidigung und Selbstbehauptung, entwickelt von Frauen für Frauen. In größeren Städten werden WenDo-Kurse speziell für traumatisierte Frauen angeboten.

Neuentdeckung bzw. Wiederfinden alter Hobbys, die schon früher Freude bereitet haben, richten den Blick auf bislang verschüttete Fähigkeiten und Interessen und geben neuen Raum für Wohltuendes und Schönes. Basteln. Malen. Schreiben. Musik. Handarbeiten. Handwerkliches. Künstlerisches. Und vieles mehr.

Tiere können heilen helfen. Die Haltung eines eigenen Haustiers ist sicher nicht immer möglich. Vielleicht freut sich die Nachbarin, wenn Katze, Hamster, Wellensittich und Co. während eines Wochenend-Trips oder einer Geschäftsreise liebevolle Betreuung finden. Oder das örtliche Tierheim braucht gelegentliche Unterstützung bei der Pflege der Vierbeiner oder fürs Gassi gehen mit den Hunden. Oder eine Zoohandlung sucht stundenweise eine Aushilfe.

Im „Leben danach“ braucht es unbedingt neue gute Kontakte zu anderen Menschen.
Für jemanden, der vielleicht nie gelernt hat, wie wohltuende Beziehung zu einem anderen Menschen geht, der nicht weiß, woran zu erkennen ist, ob das Gegenüber es wirklich gut mit ihm meint, ist der Aufbau freundschaftlicher Beziehungen Herausforderung, Abenteuer und Risiko zugleich.

Vielleicht gibt es da auch erst einmal nur ein riesiges Fragezeichen: WIE soll das denn gehen?

Menschen kennenlernen geht häufig ganz gut über gleiche Interessen.
Der Besuch eines VHS-Kurses ist da möglicherweise unverbindlicher als die Mitgliedschaft in einem Verein. Eine ehrenamtliche Tätigkeit könnte vielleicht beim Kontakte knüpfen helfen und Spaß machen. Ein Frauen- oder Kulturzentrum in der Nähe bietet vielleicht interessante Vorträge oder offene Treffs zu verschiedenen Themen an. Im örtlichen Anzeigenblatt wird vielleicht gerade jemand für eine Lauf-Gruppe gesucht oder eine DoKo-Runde braucht Verstärkung.

Vielleicht ist es anfangs auch sicherer, mit jemandem aus der Selbsthilfegruppe einen privaten Kontakt zu versuchen. Dann braucht es keine Erklärung, wenn Panikattacken den Kinobesuch in der letzten Minute doch unmöglich machen. Gemeinsam ist es vielleicht leichter, „den Monstern im Alltag“ zu begegnen, indem Angstmachendes trotz und mit der Angst ausprobiert wird. Vielleicht ist es vorstellbarer, dass es Verstehen gibt bei einem Menschen, der Ähnliches erlebt hat und der „mit den gleichen Teufeln“ kämpft. Und es kann sehr schön sein, wenn die Freude über Zurück-Erobertes geteilt werden kann.

In der Einzeltherapie können Kontaktaufnahme und bevorstehende Verabredungen in Hinblick auf bedrohliche Aspekte besprochen werden. Durch „Probehandeln“ kann in der Therapiestunde mit verschiedenen Verhaltensweisen experimentiert werden. Gemachte Erfahrungen können anschließend zusammen mit der TherapeutIn angeschaut werden.

Traumatherapie ist Begleitung (zurück) ins Leben.

Traumatherapie braucht gut ausgebildete TherapeutInnen.
Traumtherapeutische Methoden und Techniken sind unverzichtbar.

Methoden und Techniken sind „Handwerkszeug“, das individuell eingesetzt werden muss.
Je praller das „Handwerksköfferchen“ der TherapeutIn gefüllt ist, desto umfangreicher sind Menge und Vielfalt von „Handwerkszeug“, aus dem jeweils passend zu situativen Rahmen und aktuellem Bedarf geeignete Techniken ausgewählt werden können.
Eine möglichst große Anzahl von zur Verfügung stehenden Verfahren, Methoden und Techniken erlaubt, deren Nutzen in der jeweiligen Situation abzuwägen und sinnvoll miteinander zu kombinieren.
Im Mittelpunkt stehen stets die aktuelle Befindlichkeit der KlientIn und deren Erlebniswelt.

(siehe auch Traumatherapie | Techniken & Methoden | Teil I und Teil II in diesem Blog)

Traumatherapie verfolgt keinen Selbstzweck. Beharren auf eine Behandlungsmethode wird den Lebenswirklichkeiten von KlientInnen nicht gerecht. Im Idealfall arbeitet ein BehandlerInnen-Team unterschiedlicher Spezialisierungen eng miteinander zusammen bei der Begleitung traumatisierter Menschen.

Vor allem aber ist Traumatherapie immer und immer wieder ein in-Beziehung-treten zu einem Menschen, dessen Seele zutiefst erschüttert wurde.

Ganz besonders bei frühen und lang andauernden Traumatisierungen und nochmal mehr bei Traumatisierungen durch sexualisierte Gewalt und noch mehr bei Traumatisierungen durch Eltern und Familienmitglieder oder andere Bezugspersonen hat ein traumatisierter Mensch vor allem  eines gelernt: Menschen tun mir weh. Menschen verraten mich. Menschen verlassen mich. Vertraue niemand.

Je schwerer die Traumatisierung, z.B. bei Komplex-Trauma oder Dissoziativer Identitätsstörung / Multipler Persönlichkeitsstörung (DIS/MPS), desto ausgeprägter ist die Angst vor dem Aufbau guter, heilender Beziehung zu einem anderen Menschen. Zu groß die Angst vor erneutem Schmerz.
Denn die tiefverwurzelte Überzeugung lautet: „Menschen tun weh“.
So wie es damals die ersten Bindungs-Personen im Leben dieses Menschen taten.

Bindung ist aber nötig, um heilen zu können (Bindungstheorie).  Bindungsfähigkeit behutsam wachsen zu lassen, erfordert sehr viel Arbeit und Zeit. Es geht nicht ohne unzählige emotionale Kämpfe und ein Immer-Wieder-Aufrappeln-Und-Weiter-Machen-Auch-Wenn-Man-Nicht-Glaubt-Dass-Es-Jemals-Besser-Wird auf Seiten der KlientIn und die Bereitschaft, immer wieder in Beziehung zu treten und immer wieder verlässliche Beziehungsangebote zu machen auf Seiten der TherapeutIn.

Für die therapeutische Arbeit mit seelisch schwer traumatisierten Menschen brauchen TherapeutInnen die innere Bereitschaft, sich auf einen langen und oft turbulenten Prozess einzulassen. Es braucht die Unerschrockenheit in tiefe Abgründe zu blicken und die Bereitwilligkeit, zu lernen, Fehler zu machen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Es braucht den Mut, zu konfrontieren und immer wieder „Tretminen“ detonieren zulassen. Es braucht die Hartnäckigkeit, sich in Krisen nicht „abschütteln“ zu lassen. Es braucht das Vertrauen in Fähigkeiten und Selbstheilungskräfte der KlientIn. Es braucht die Beherztheit, sich berühren, sich anrühren zu lassen und als Mensch einem Menschen zu begegnen. Und es braucht Liebe und Humor und Geduld.
Denn Beziehung lässt sich nur in Beziehung zu anderen Menschen lernen. Bindung kann nur wachsen auf dem Boden heilsamer menschlicher Begegnung. Um sich selbst als Mensch zu erfahren, braucht es den Kontakt an der Grenze zwischen dem Ich und dem Du.

Die Therapie eines schwer traumatisierten Menschen ohne fundierte Psychotraumatologie-Kenntnisse und ohne ein gerüttelt Maß an traumatherapeutischen Methoden und Techniken kann die spezifischen Folgen erlittener Traumata nicht erreichen und wird seelisch schwer verletzten Menschen nicht gerecht.

Technik allein kann aber nicht heilen helfen.
Dazu bedarf es auch des Faktors Mensch.

Traumatherapie ist Begleitung ins Leben. Von Mensch zu Mensch.

Über Moon Stegk

Gestalttherapeutin & Heilpraktikerin für Psychotherapie | Körperorientierte Gestalttherapie | Traumatherapie | Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz | Therapie bei Trauma-Folgestörungen durch körperliche, emotionale, sexualisierte Gewalt, Vernachlässigung
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66 Antworten zu Was gute Traumatherapie braucht

  1. diepaulines schreibt:

    großartiger Text, liebe Moon! Vielen Dank! Sollte möglichst weit verbreitet werden! Es ist so wertvoll, auf TherapeutenInnen zu stoßen, die bereit sind, sich menschlich einzulassen und mitzugehen…

  2. inneres Stimmchen schreibt:

    alles drin – prima!🙂

  3. wunschleben schreibt:

    Wow, wunderbar geschrieben!
    Vielen Dank für diesen tollen Text, ich werde darauf in meinem Blog verlinken mit Auszügen, ich hoffe dies ist ok!
    Lieben Gruss Missy

  4. Dragonfly schreibt:

    Großartig. Das Beste, was ich je dazu gelesen habe!
    5 Sterne !!!!!

  5. Towanda schreibt:

    Bin schwer beeindruckt. Alles auf den Punkt. Genau das braucht es.

    Ganz besonders danken möchte ich für die Gedanken zu Schutzräumen/Krisenhäusern.
    Ist überhaupt schon mal jemand auf so eine Idee gekommen? Und wenn nein, wieso nicht? Und: Wo kann man das beantragen (oder besser noch: einfordern)?
    Zusammen mit einer, wie im Artikel beschriebenen, ambulanten Traumatherapie durch menschliche Therapeutinnen, wäre das für viele die Rettung. Jedenfalls für die Bewältigung der Gewalt-Folgen sollten Betroffene alles bekommen, was heilen hilft.

    5 Sterne auch von mir.
    Und ich hoffe, dass dieser Artikel hundertfach 5 Sterne bekommt!

  6. Lilly schreibt:

    Muss fast weinen, bei dem Gedanken, daß es all das gäbe. Werd mithelfen bei der Verbreitung und das posten. Danke.

  7. Satin schreibt:

    Obiger Artikel enthaelt Fachwissen, Mitgefuehl, eine Menge praktische Informationen und wertvollen Tipps fuer Betroffene! Fuenf Sterne, weil’s keine 10 gibt!

  8. strandkrabbe schreibt:

    Es ist das Eine, Idealvorstellungen zu haben. Etwas Anderes ist es, sich ihnen anzunähern.
    Vielen Dank dafür, dass all das keine leeren Worte sind.😉
    Ein absolut genialer Artikel, für den es eigentlich kaum noch zutreffende Worte gibt!

    • Moon Stegk schreibt:

      Auf dem Weg zum Ideal, zur Wunscherfüllung braucht es viele Schritte der Annäherung. Jeder einzelne davon ist wichtig.
      Ganz herzlichen Dank für die wunderschöne Rückmeldung.🙂

  9. birgit schreibt:

    Vielen Dank für den tollen Artikel!!

  10. Pingback: Gute Traumatherapie?! | Mein Wunschleben und Ich!

  11. Ilana schreibt:

    Auch von mir ein großes Dankeschön für diesen Artikel, werde ihn ebenfalls verlinken.

  12. sarah schreibt:

    bin gerade auf Deinen Blog aufmerksam geworden. WOW, das sind wirklich lesenswerte postings.

  13. Heart of a Dragon schreibt:

    Alles mega geil! Aber welche Formen lassen sich nicht mit Traumatherapie vereinbaren?
    Davanloos komische provokative Kurzzeittherapie sicherlich nicht. Psychodynamische Methoden insgesamt nicht.

    • Moon Stegk schreibt:

      Mit der Intensiven Dynamischen Kurzzeittherapie (IS-TDP) nach DAVANLOO bin ich nicht vertraut und kann mich daher nicht dazu äußern.

      Grundlage von Traumatherapie sollte eine Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren mit deutlich mehr als tausend Ausbildungsstunden sein. Seminare mit vielleicht wenigen hundert Ausbildungsstunden können geeignet sein für die Behandlung von neurotischen Konflikten. Als Basis für die Arbeit mit (komplex) Traumatisierten reicht das m.E. nicht aus.
      Therapieverfahren, die sich an den 5 Wirkfaktoren nach Grawe orientieren, sind sicher sinnvoll. Aus gestalttherapeutischer Sicht halte ich den von Grawe beschriebenen ersten Wirkfaktor, die therapeutische Beziehung, für besonders bedeutsam.

      Unbedingt unterschieden werden muss bei der Behandlung auch nach Trauma-Typ. Was bei einem Mono-Trauma gut und richtig ist, kann bei einem Komplex-Trauma nicht ausreichend sein.
      Ebenso spielen lebensgeschichtliche Hintergründe und aktuelle Lebenssituation eine große Rolle.

      Und letztendlich ist es ein Mensch, der als TherapeutIn mit einem Therapieverfahren arbeitet. Dieser Mensch bringt seine eigene Persönlichkeit mit, die Anteil daran hat, ob eine gemeinsame „Wellenlänge“ für die therapeutische Arbeit gefunden wird. Ob sich KlientInnen in der Therapie menschlich gut aufgehoben fühlen, ist oft ausschlaggebender für einen gelingenden Therapieprozess, als das Verfahren, mit dem gearbeitetet wird.
      Eine grundsätzliche Empfehlung für bzw. gegen ein Therapieverfahren würde am Wesentlichen vorbei gehen: dem individuellen Bedarf des Einzelnen mit der Gesamtheit aller ihn ausmachenden Faktoren.

      • Heart of a Dragon schreibt:

        Hallo Moon Stegk,
        danke für Deine ausführliche Antwort.
        Bestimmt hängen Erfolge auch von den individuellen Faktoren ab. Sicherlich gibt es Forschungsliteratur über Korrelationen zwischen Therapieformen und der Persönlichkeitsstruktur der Therapeuten. Gibt es nun Menschen, die zueinander passen, so gibt es auch Methoden, die zu bestimmten Menschen mit bestimmten Problemen nicht passen (aufgehoben fühlen). Daher muss es in der Psychotherapie, egal in welcher, Filtermechanismen geben, die methodenimmanente Nebenwirkungen/Therapieschäden und Neu- und Retraumatisierungen, übermäßige Regression etc. pp. für bestimmte Patienten ausschliessen (Falls nicht Davanloo, Psychoanalyse und co eh nur von den Gesündesten und Robustesten ohne größere Verluste ausgehalten wird). Würdest Du Traumatisierten denn Psychoanalyse nach Freund empfehlen?
        Ich würde es nicht, denn dieser Ansatz kennt nichts von der Traumaforschung (wie mein ehemaliger Hausarzt auch nicht). Ich würde sie auch nicht an „normal“ Kranke weiterempfehlen, da das Gehirn, im Fall von Traumata im engeren Sinne (Mord, Unfall, Naturkatastrophe, sexualisierte Gewalt) und Traumata im Sinne von geschädigten Egostates/Gestalten/Schemata immer nach dem gleichen Grundmuster arbeitet.
        Nehmen wir mal die Egostates/Schemata/Gestalten, dann sind das alles existierende neurale Netzwerke, naturwissenschaftlich betrachtet, und funktionierende Elemente in den fortgeschritteneren Therapieformen. Kannst Du mir links oder Bücher nennen, die auf die Interdependenzen dieser Anteile hinweisen? Das würde mich nämlich weiter bringen und ich denke auch andere, denn die Foren sind voll mit Berichten über suboptimale Therapieverläufe. Kommt diese Problematik überhaupt im Studium oder der Ausbildung vor?

        • Moon Stegk schreibt:

          Hallo Heart of a Dragon,
          als Gestalttherapeutin habe ich zu manchen Dingen eine etwas andere Haltung als manche KollegInnen anderer Fachrichtungen.
          Gestalt betrachtet den Begriff „Krankheit“ als problematisch. Gestalt-Leute sehen seelische Störungen als kreative Leistung der Seele, unerträgliche Umstände auszuhalten bzw. zu überleben.
          In der Gestalttherapie geht es darum, das Individuum darin zu unterstützen, einen eigenen Weg zu finden zu einem Leben, mit dem dieser einzigartige Mensch zufrieden ist.
          Als Gestalttherapeutin liegt mein Interesse auf dem, was der Mensch, der vor mir sitzt, braucht, um das zu erreichen, womit dieser Mensch glücklich ist. Und das richtet sich nicht danach, was gesellschaftlich erwartet wird.
          Das Glück des einen muss für einen anderen nicht das gleiche Glück bedeuten. Nach wissenschaftlichen Kriterien lässt sich Gestalttherapie daher nur schwer validieren, was sicher auch mit ein Grund dafür ist, dass Gestalttherapie (zumindest in Deutschland) von Krankenkassen nicht anerkannt wird.

          Anders ist es z.B. bei der Verhaltenstherapie. Hier wird u.a. mit überprüfbaren Problemanalysen und dem Erstellen von ganz konkreten Therapiezielen gearbeitet. Verhaltenstherapeutische Methoden sind verifizierbar, und zwar während einer laufenden Therapie als auch durch wissenschaftliche Studien.
          Das sehr strukturierte Vorgehen in der Verhaltenstherapie kann sehr hilfreich sein, wenn z.B. massive Ängste, Zwänge oder schwere Depressionen im Vordergrund stehen oder bei jemanden, der Halt findet in der Überschaubarkeit/Kontrollierbarkeit therapeutischer Methoden.
          Für einen anderen Menschen kann gerade letzteres als unerträglicher Druck/Zwang erlebt werden.

          Der Psychoanalyse kommt aus meiner Sicht als Begründung von Psychotherapie große Bedeutung zu. Freud entwickelte bereits damals Ansätze für den Zusammenhang zwischen sexualisierter Gewalt und psychischen Folgen, war damit seiner Zeit aber weit voraus und musste unter dem Druck seiner Kollegen diese These widerrufen.
          Dabei ist es geblieben.

          Während meiner Gestalt-Ausbildung erlebte ich zweimal, dass TeilnehmerInnen von der weiteren Ausbildung ausgeschlossen wurden. Es war deutlich geworden, dass bei diesen Personen zu diesem Zeitpunkt die psychischen Voraussetzungen für die Weiterführung der Ausbildung und die spätere therapeutische Arbeit mit KlientInnen nicht in ausreichedem Maße vorhanden war. (Es bestand das Angebot, die Ausbildung bei ausreichender seelischer Stabilität zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen.)
          Andere Institute mögen so etwas anders handhaben.

          Ich bezweifel, dass Studien solche individuellen Variablen (sowohl auf Seiten von KlientInnen, als auch von TherapeutInnen) ausreichend erfassen und in sinnvolle Beziehung zueinander setzen können. Bekannt sind mit jedenfalls keine.

          Den Wunsch, Orientierung durch objektive Maßstäbe zu finden, kann ich außerordentlich gut nachvollziehen.
          Psychotherapie ist keine exakt mess- und planbare Wissenschaft. Die somatische Medizin stützt sich beispielsweise auf genau erforschte Anatomie/Physiologie des menschlichen Körpers, kann z.B. durch bildgebende Verfahren Veränderungen sichtbar machen.
          Die menschliche Seele kann durch keine diagnostische Methode abgebildet werden. Und selbst über die Existenz der Seele herrscht Uneinigkeit unter den verschiedenen psychotherapeutischen Fachrichtungen.

          Die derzeit einzig mögliche Hilfe zur Orientierung bei der Wahl von TherapeutInnen und Therapieverfahren, kann m.E. nur durch Transparenz geschaffen werden.
          Gut verständliche und sachlich richtige Beschreibungen therapeutischer Verfahren müssen allgemein ebenso leicht zugänglich sein, wie Informationen über psychotherapeutisch tätige Berufsgruppen, wobei die entsprechenden Unterschiede rein inhaltlich beschrieben und verglichen werden.

          Therapiesuchenden muss das Recht zugestanden werden, TherapeutIn und Verfahren selbst wählen zu dürfen, was grundsätzlich ja möglich ist.
          Praktisch sieht es jedoch so aus, dass bei monatelangen Wartenlisten kassenzugelassener TherapeutInnen, manche einfach nur froh sind, wenn überhaupt ein Therapieplatz zur Verfügung steht.
          Therapieangebote für komplex traumatisierte sind weitaus rarer. Wahlmöglichkeiten bzgl. TherapeutIn und Verfahren sind quasi nicht vorhanden.

          Ursachen für ungünstige Therapieverläufe sind vielfältig.
          Würden Therapiesuchenden ausreichend unabhängige Informationen erhalten können, würden sie wählen und ausprobieren können, welche/s TherapeutIn/Verfahren in der aktuellen Lebensphase passt, würden Therapieplätze innerhalb von maximal 10-14 Tagen zur Verfügung und wäre die Finanzierung einer ausreichenden Anzahl von Therapiestunden verlässlich für alle geregelt, würde sich die Häufigkeit ungünstiger Therapieverläufe sicherlich schon um einiges reduzieren.

          Traumatherapie steckt auch quasi immer noch in den Kinderschuhen. Es gibt viele gut gemeinte und auch gut gemachte Ansätze.
          Bei der Entwicklung und Vermittlung neuer Methoden gerät dabei aber manchmal, das aus meiner Sicht, Wesentliche ein wenig aus dem Blickfeld: der Mensch.
          Ein Mensch, der früh Unerträgliches erleiden musste, braucht in erster Linie einen Menschen an seiner Seite.
          Psycho- und traumatherapeutische Qualifikation ist ohne Frage ein Muss.
          Ein gut ausgebildeter, hoch qualifizierter Therapeut, der Techniken anwendet ohne als Mensch zur Verfügung zu stehen, kann m.E. die so schwer erschütterte Seele eines Mensche nicht erreichen.
          Welche Studie will Menschlichkeit exakt und allgemein gültig bewurteilen?

          Als Gestalttherapeutin vertraue ich darauf, dass Menschen ganz genau wissen, was sie zum Heilen brauchen.
          Sie müssen nur wählen dürfen.

          • Moon Stegk schreibt:

            Schwer traumatisierte Mensche sind tatsächlich Überlebenskünstler. In vielerlei Hinsicht.
            Unbewusst benutzen viele z.B. eigene, nicht schädigende Reorientierungs-/Distanzierungstechniken. Betroffene denken dann oft, sie machen da etwas Schlechtes/Blödes.
            Wenn dann verstehbar wird, wozu das gut ist und welchen Unterschied es macht, das bewusst zu tun, wird aus aus einem vermeintlichen Unvermögen eine wichtige Fähigkeit.

            • Heart of a Dragon schreibt:

              Ihre Auführungen zu den Wahlmöglichkeiten finde ich sehr gut, wirklich sehr! Doch leider ist das ganze in Relativierungen eingepackt. Eine Erfolgsgarantie gibt es nie, aber wenigstens könnte man am Erfolg arbeiten. Dazu wäre es schön, wenn sich alle TherepeutInnen an die Vorschriften zur Aufklärung der PatientInnen halten würden, die Nebenwirkungen/Belastungen kontrollieren würden und dem wissenschaftlichen Stand enstprechend, wie es die Kammern vorschreiben, ausgebildet wären. Beides ist m.E. nur sehr unzureichend vorhanden. Dabei wäre es so einfach, wenn wenigstens Punkt 1 eingehalten würde. Warum wehren sich viele TherapeutInnen nur so nachhaltig dagegen? Kann doch jeder nachlesen.

              • Moon Stegk schreibt:

                Vielen Dank für die schöne Rückmeldung.

                Konzepte und Richtlinien sind wichtige Grundlage für psychotherapeutisches Arbeiten, verändern sich aber auch mit der Zeit aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse und Erfahrungen.

                Psychotherapie gleicht ein wenig einer Reise bei der weder KlientIn noch TherapeutIn genau vorhersehen können, was einem begegnen wird.
                Bestandteil einer solchen Reise sind Hürden, Stolpersteine und Klippen unterschiedlichster Art.
                Der TherapeutIn kommt die Aufgabe zu, eine gute „Reisebegleitung“ zu sein und zusammen mit der KlientIn solchen „Engstellen“ in der Therapie zu begegnen.
                Eine gute „Reisebegleitung“ zeichnet sich m.E. dadurch aus, dass sie verlässlich an der Seite der KlientIn bleibt, zusammen mit der KlientIn immer wieder nach passender Richtung und Tempo sucht und auch der KlientIn Mut macht, „über Klippen zu springen“.

                Auch mit einer guten „Reisebegleitung“ ist so eine Reise anstrengend.
                Es gibt Unvorhersehbares, Irrwege und unwegsames Gelände. „Reisebegleitungen“ machen auch mal Fehler.

                Wichtig ist die Art des Umgangs mit solchen „Engstellen“ in der Therapie.
                Annäherung und Erkundung der „Engstellen“ und eine gemeinsame Suche nach, für die KlientIn passenden Veränderungsschritten, eröffnen die Möglichkeit, einen Weg entstehen zu lassen, den die KlientIn allmählich als „trittfest“ erleben kann und der Schritt für Schritt in ein selbstbestimmtes Leben führt.
                In diesem Sinne bekommen Hürden und Stolpersteine die Bedeutung von Wegmarkierungen, die herausführen aus der Enge.

                Ich möchte Mut machen, sich auf die Suche nach einer passenden „Reisebegleitung“ machen.
                Es gibt sie.

              • Heart of a Dragon schreibt:

                Zu den Engstellen: (12. Januar 2014 um 14:57) Das sind begrenzte Punkte, die sicherlich in Ordnung sind. Was ist aber, wenn die ganze Reise, wohin, eine Engstelle ist? Die Risiken und Nebenwirkungen aus obigen Texten sind keine punktuellen Erscheinungen sondern allgegenwärtig und zu einem großen Teil angewandter Therapiemethoden zuzuordnen. Und die Umschreibung „Reise“ ist nicht konkret, sondern symbolisch abstrakt. Das Entscheidende dabei ist, die Behandlungssituation bei solchen Dingen zu verlassen und in einer Diensleister/Klient Situation gazn konkret aufzuklären. Und solche Therapeuten gibt es eher sehr selten.

          • Mr Mindcontrol schreibt:

            Mit dem wählen dürfen ist das so ein Problem, habe selber Borderline und bin meiner Ansicht nach massiv therapiegeschädigt und zwar mit einer massiven Struktur-Verkomplizierung, so dass eben Therapien die mir am Angfang meiner Therapielaufbahn hätten helfen können kontraindiziert geworden sind, wie z.B. Hypnose die ich damals immer für mich verlangt habe, so habe ich in Folge der analytischen Gesprächstherapien erst Zustände bekommen die man als psychotisch klassifizieren könnte, damit war mir Hypose auf Jahre verbaut, da Leute die schon man Psychose hatten keine Hypnose/Hypotherapie machen dürfen ( noch mal herzlichen Dank an die „wissenschaftlich“ arbeitenden Herren Psychoanalytiker die mich noch nicht mal aufgeklärt haben, dass ich auch PA mache, ich wusste dies nicht da die Gespräche im Sitzen stattfanden und nicht auf der Couch). Mir wurde gesagt dass ich einen „Wunderheiler“ haben wollte. Interessant ist, dass heutige Borderline und Traumatherapien Hypnotherapie mit einbauen, wie die DBT, die Egostate-Therapie oder die Schema-Therapie. Hypnose ist für mich die eigentliche Tiefenpsycholgie und nicht PA/AT TFPT da Sie ja technisch mit Trancen an jede tiefe Schicht der Seele reisen kann und nicht dass innerste nach aussen kehrt wo es dann in der „Übertragung“ bearbeitet werden soll und der Thera mitten in einer „Regression“ nach 50 Minuten auf die Straße schmeisst wo dann die Person im keinen Kind-Modus selbstverantwortlich wie ein Erwachsener funktionieren soll. Auch sollte man die bewussten Probleme der Leute ernst nehmen und die sind nun mal oft auch die Symtome. „Herumdoktorn“ am, Symptom kann entgegen der Mainstream-Auffassung durchaus sinnvoll sein, weil diese einen Teufelskreis bedeuten, das schliesst natürlich nicht tiefe Ursachen aus, nur leiden Leute so extrem unter Symptomen und wollen sich gerade deshalb umbringen, so dass die „Neutralität“ und „Abstinenz“ der PAler geradezu sadistisch erscheint. Borderline und Trauma bewirken sowas wie einer nichtpsychotische Persönlichkeitsspaltung. Dadurch können Gesprächstherapien oder auch normale (kognitive) Verhaltenstherapie nicht viel helfen, dass die Interaktion, das „Lernen“ im Ego-State/Modus des „Überlebens-Ich bleibt. Genau deshalb finde ich diese „Teile-Arbeit“ für DIE Innnovation moderne integrativer Therapie schlechthin. Die verhaltenstherapeutische Variante davon nennt sich „Schema-Therapie“ und ist leider ähnlich schwer zu bekommen wie ein 6er im Lotto, offenbar haben finden auch sehr viele andere in meine Situation dieses Konzept toll. Etwas ein halbes Dutzend ST-Theras die ich telefonisch erreichte können zur Zeit keine neuen Patienten mehr aufnehmen.

            • Moon Stegk schreibt:

              Danke für Ihren Kommentar mit dem Teilen von Erfahrungen und dem Hinweis auf wichtige Aspekte.

              Von einer tatsächlichen Wahlmöglichkeit ist man bis heute weit entfernt. TherapeutIn und Therapieverfahren frei wählen zu wollen, stößt schnell an die Grenzen unseres Gesundheitssystems. Ebenso verhält es sich mit Stundenanzahl/-frequenz. Bei komplexen Trauma-Folgestörungen reicht ein 50-Minuten-Termin pro Woche nicht aus.

              Gestalttherapie arbeitet mit dem, was gerade „oben auf“ ist. Damit folgt Gestalttherapie Tempo/Richtung/Thematik der KlientIn.
              Häufig genug geht es dabei auch bei nicht traumatisierten Menschen erst einmal um die Beschäftigung mit dem, was aktuell „stört“. Es sind Symptome, die hindern/behindern/belasten und die einen Menschen die Entscheidung treffen lassen, eine Therapie zu beginnen.
              Es müssen Wege gefunden werden, wie hier und jetzt für Entlastung im Alltag gesorgt werden kann. Ausreichend gute Bewältigung des alltäglichen Lebens gehört zur äußeren Sicherheit dazu und ist wichtig, damit (wenn nötig/gewünscht) eine Annäherung an zugrundeliegende Ursachen für Belastungen/Störungen erfolgen kann.
              Diese Haltung hat sich auch in der Traumatherapie etabliert.

              Methoden der Gestalttherapie sind Grundlage vieler „moderner“ Therapieverfahren, wie z.B. Traumatherapie, Ego-State-Therapie, Schema-Therapie, Systemaufstellungen, u.a.

              • Mr Mindcontrol schreibt:

                Integrative Therapie finde ich generell gut, warum auf nachgewiesene wirksame Elemente verzichten nur weil Sie nicht Teil einer Therapieschule ist. Das ST zum großen Teil auch Elemente der Gestalt-Therapie enthält weiss ich. Aber auch bei BPS hat man je oft sehr heftige Symptome wo eine Erlernen willkürlicher Verhaltensweisen um damit umzugehen seeeeehr hilfreich wäre, das alleine würde emotional schon wahnsinnig entlasten. Dass das bei Persönlichkeitsstörungen ( vor allen Dingen bei aktuter Suizidialität die auch Folge unerträglicher Symptome ) nicht ausreicht ist m.E. keine wirkliches Argument da nicht zu helfen und nur mit einer Langzeit-PA dranzugehen. Genau da können VT-Methoden eben sehr gut sein. Zu dem Empfinden zum Zwang möchte ich sagen dass die Einhaltung von „Verschreibungen“ in der somatischen Medizin ganz normal ist das auch nicht kritisiert wird. Ja bestimmte Übungen und „Hausaufgaben“ können eine „Rebellion“ der „inneren Kinder“ herausfordern, ich denke aber mal, dass es dann bei einen integrativen VT doch eine Aufgabe von diesem sein könnte die „inneren Kinder“ von der Notwendigkeit und vor allem der Nützlichkeit dieser Aufgaben zu überzeugen. Es stimmt, in bestimmten Modi hätte ich gar keine Probleme „Hausaufgaben“ zu machen in anderen schon, deshalb sollte ja auch integrativ therapiert werden Noch mal zum Zwang: Zwangspsychiatrie gegen den Willen finde ich schrecklich, aber muss jeder Zwang gegen den Willen sein? Ich denke nicht, wäre ich z.B. Drogensüchtig und möchte unbedingt von meiner Sucht wegkommen, dann würde ich bei entsprechenden Vertrauen zum Entzugstherapeuten unterschreiben, dass ich bereit bin bei so schlimmern Entzugserscheinungen dass ich gar nicht anders kann als wieder diese Droge zu nehmen gewaltsam genau daran gehindert werde (auch wenn das jetzt brutal kilngt). Auch Klaus Grawe ist ja dafür kritisiert worden bei Zwängen Patienten mit sanfter Gewalt davon abzuhalten Zwänge auszuführen und war erfolgreich. Wenn das transparent ist ( Ich halte das Transparenzgebot in der VT für sehr humam und sehr ethisch, weshalb ich die Kritik an der VT diese sei unetisch nicht nachvollziehen kann) und vorher mit dem Einverständnis des Patienten/Klienten abgesprochen wird habe ich damit kein Problem.

              • Moon Stegk schreibt:

                Jeder Mensch ist ein einzigartiges Individuum und hat es verdient, in seiner Ganzheitlichkeit und im Kontext seiner Lebenssituation gesehen zu werden.
                Was in einer Therapie jeweils als hilfreich erlebt wird, kann daher sehr unterschiedlich sein. Bedarf und Bedürfnis können sich auch im Laufe der Zeit verändern.
                TherapeutInnen, die schulenübergreifend arbeiten und versiert sind in der Anwendung von Methoden und Techniken anderer Therapieverfahren, verfügen über ein breites Spektrum von „Handwerkszeug“.
                Das kann sehr hilfreich sein bei der individuellen Unterstützung von KlientInnen.

                Das Thema Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie fällt nicht in mein Kerngebiet. Fachkundige Auskunft dazu können PsychiaterInnen und klinisch arbeitende PsychotherapeutInnen sicher besser geben.
                Ich bitte um Verständnis.

              • Mr Mindcontrol schreibt:

                Antwort für den unteren Teil:

                Ich wollt nur noch mal klarstellen, dass Zwang nicht gleich Zwang ist. Zwangspsychiatrie ist eine Vergewaltigung und wird so erlebt was wieder neu traumatisiert.
                Das Angebot eine therapeutischen Intervention, dass der Thera mal vorübergehend die Kontrolle übernimmt ist etwas ganz anderes. Das ist nicht gegen den Willen des Klienten. Ähnlich wie bei der Sirenen-Sage der alten Griechen die Leute haben sich freiwillig fesseln lassen um den Gesang der Sirenen zu hören ist sowas doch auch in einer Therapie möglich. Autonomie und die Fähigkeit zur „Selbstverantwortung“ (ich kann dieses Wort nicht mehr hören) sollten durchaus Ziel eine Therapie sein, aber nicht Bedingung (wie Sie von den allermeisten Therapeuten ständig gefordert wird). Genau diese Ideologie der Selbtverantwortung verbietet möglicher Weise wirksames therapeutisches Handeln. Gut zu funktionieren sollte Ziel der Therapie sein und wenn es möglich ist jemand mit einem Zwang ( der nicht gegen den Willen des Klienten geschieht) von genau jenen Symptomen zu berfreien die genau diese Autonomie verhindern dann sollte man das auch tun.
                Wegen dem Methodenmix: Eine PA verbietet direktives Eingreifen da diese ja sonst gar nicht funktioniert, also wird es kaum eine integrative Thera auf PA-Basis geben. Die VT geht grundsätzlich störungspezifisch vor, diese ist damit auch viel flexibler als PA, Wenn nachgewiesen ist, dass dieses oder jene Element aus eine andere Thera-Schule bei Störung X hilfreich ist, hat Sie viel wenige Schwierigkeiten diese Elemente zu integrieren als die PA, das ist meine Meinung.

              • Moon Stegk schreibt:

                Danke für die Erläuterung.
                Ihr sprachliches Bild von den Sirenen verdeutlicht sehr schön, dass Zwangsmaßnahmen unter bestimmten Umständen schutzgebend sein können und auch so erlebt werden können.

  14. Ilka hasse schreibt:

    Liebe Moon
    Vielen dank für diese Worte. Fünf funkelnde Sterne für dich. Ilka

  15. christiane schreibt:

    wunderschöner blog,

    meine Krankenkasse (Privat, Basistarif, keine Chance in die gesetzliche zu kommen solang ich nicht fit genug bin nen 401euro job n jahr zu halten…) hat mir 20 stunden im Jahr bewilligt bei Diagnose PTBS und Angststörung, das wollt ich mal hierlassen ergänzend, zu sozialen und Kassenrealitäten.

    lieben gruß,

    • Moon Stegk schreibt:

      Vielen Dank für die schöne Rückmeldung.
      Ein Dankeschön auch für das Teilen Ihrer Erfahrung. Leider ist eine solche Bewilligungspraxis für Psychotherapiestunden keine Ausnahme.

  16. Pimbolibaer schreibt:

    Ich bin zum Glueck noch weiter in Therapie, aber die Krankenkasse, bzw. mein Gutachter hat auch bei mir zwar eine langzeittherapie bewilligt, aber auf 10 Stunden reduziert, ich war die erste Zeit total verzweifelt, wusste nicht wie ich das schaffen soll? Gut die sehen ja leider nur die Nummer und nicht die Person, die sich dahinter verbirgt, bin aber echt sehr enttäuscht.😦 ich gehe jetzt als Alternative nach den Stunden in die Klinik, was bleibt mir anderes uebrig? Da auch mein Therapeut der Ansicht ist, das ich weiter behandelt werden sollte. Wie ist denn die allgemeine Einstellung zu Heilpraktikern die psychotherapie anbieten? Viele hoeren sich echt nett an, aber der Unterschied zu einem studierten Psychologen ist ja doch da. Will auch nicht ins … greifen, wenn ich diesen Schritt eventuell in Angriff nehme. Danke

    • Moon Stegk schreibt:

      HeilpraktikerInnen für Psychotherapie können sehr gut ausgebildet sein.
      Ob bzw. in welchem Umfang eine Psychotherapieausbildung absolviert wird, liegt allein in der Verantwortung der HP-Psych. Es gibt keinerlei Vorgaben/Mindeststandards.
      Daher ist es sicher sinnvoll, sich genau zu erkundigen, ob und welche psychotherapeutischen/traumatherapeutischen Qualifikationen vorhanden sind.
      Informationen dazu gibt u.a. auch in meinem anderen Blog http://blogpsychotherapieluebeck.wordpress.com/

  17. Pimbolibaer schreibt:

    Danke für die Info. Ich warte jetzt erstmal die nächsten Stunden ab. Mein Therapeut meinte richtige Erfolge sehe ich erst in drei – vier Monaten nach der letzten Konfrontation. Dann baut sich erst die Erholung auf. Ich habe schon im Internet danach gesucht, wie das Empfinden nach einer Traumatherapie sein kann oder sollte, aber da finde ich nichts. Ich muss da leider auf sein Wort Vertrauen, was auch nicht leicht fällt. Man merkt ja nur wie schlecht es einem geht und kann sich nicht vorstellen, dass die Zeit nach der Therapie erst die Phase ist, wo ich die Früchte des Erfolges ernten kann. Hoffe, dass ist nicht nur so dahin gesagt.

    • Moon Stegk schreibt:

      Es ist schwer, sich vorzustellen, dass es einem besser gehen wird, wenn es einem gerade schlecht geht.
      Ich möchte Mut machen, darauf zu vertrauen, dass es so sein wird.
      Ein Samenkorn wächst auch lange im Unsichtbaren bis ein erster kleiner Halm aus der Erde sprießt.

  18. line schreibt:

    Ich bin gerade durch zufall auf diese Seite gestoßen und dass was du dort geschrieben hast würde ich mir gerne in meiner Therapie wünschen…einfach mehr Menschlichkeit! Echt super dein Text! Ich finde auch dass dieser Text weit verbreitet werden müsste und viele Therapeutinnen es lesen würden .

  19. Mariesofie schreibt:

    Ich habe eine Riesenbitte:

    Bitte meinen Blognamen auf “ Mariesofie änder! Biiiiiiiitte!

    Und alle Kommentare, die meinen echten Namen tragen auch löschen. Danke.
    Merke jetzt erst die Folgen!
    Liebe Grüße von mir!

  20. Zerstörer schreibt:

    Ich würde sagen, dass gute Traumatherapie vor allem TherapeutInnen braucht, die gewillt sind von der Norm abzuweichen.

    Es tut gut von einer Therapeutin zu lesen, dass zweimal wöchentliche Termine sinnvoll und nötig sind und in Krisen sogar bis zu tägliche Kontakte. Und auch, dass Kontakte zwischen den Terminen per Telefon oder Email unerlässlich sind. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass es eigentlich keine TherapeutInnen gibt, die in der Lage und bereit sind, dieses auch anzubieten.
    Erfahrungsgemäß ist es doch meist so, dass nicht die Situation der KlientInnen darüber entscheidet wie viel Kontakte es gibt, sondern der Kostenträger, wenn es denn einen gibt, und vor allem der Therapeut/die Therapeutin.

    In der Regel sind es höchstens BerufsanfängerInnen, die gewillt sind da individuell zu schauen. Und spätestens wenn sie merken wie anstrengend der Kontakt ist, ziehen sie die Reißleine und fahren den Kontakt drastisch zurück oder brechen die Behandlung ganz ab. Das alles natürlich immer unter dem Deckmantel, dass es therapeutisch sinnvoll sei.
    Ist es dann nicht wirklich besser, die Standardleistung von einem Termin in der Woche zu bekommen und dadurch wenigstens einen sicheren Kontakt?

    Auch wenn völlig klar ist, dass so wöchentliche Sitzungen bei Menschen mit DIS/MPS eigentlich völlig unzureichend sind, vor allem wenn es um das Einlassen auf Bindung geht.

    • Moon Stegk schreibt:

      Zur Behandlung eines Monotraumas bei einem nicht vortraumatisierten Erwachsenen mit stabilem sozialen Umfeld kann eine Psychotherapie gemäß der Richtlinie von i.d.R. 80 (TP) bzw. 60 (VT) Therapiestunden ausreichen.

      Bei frühen Bindungsstörungen und Komplextrauma ist das vollkommen unzureichend.
      Der Ruf erfahrener TraumatherapeutInnen nach bedarfsgerechter Anpassung des Regelsatzes wird zunehmend lauter.
      Wie langsam das Gesundheitssystem auf wissenschaftliche Erkenntnisse reagiert, zeigt der Umstand, dass erst 1994 die Diagnose PTBS in das Diagnosemanual ICD-10 aufgenommen wurde.
      Obwohl Judith Hermann bereits 1992 den Begriff „Komplexe PTBS“ prägte, wurde diese Diagnose bis heute nicht aufgenommen. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen ebenso wie das Konzept der Strukturellen Dissoziation den Mehrbedarf an Psychotherapiestunden bei frühen Traumatisierungen.

      Tröstlich kann hier nur sein, dass Fachleute sich enorm engagieren für fachlich geeignete Unterstützung von Betroffenen und Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Therapeutinnen/BeraterInnen in Traumatherapie und Traumapädagogik, ohne die individuelle Begleitung schwer traumatisierter Menschen nicht stattfinden kann.
      Innerhalb weniger Jahrzehnte ist es gelungen, Folgen von seelischen Traumatisierungen wissenschaftlich zu belegen, effektive Behandlungsmethoden zu entwickeln und den „diagnostischen“ Blick vieler KollegInnen zu schärfen.

      Nicht nur Überlebende extremer Gewalt macht es zu Recht wütend, dass weder eine ausreichende Anzahl Psychotherapiestunden, noch genügend gut ausgebildete TraumatherapeutInnen zur Verfügung stehen.
      Auch TraumatherapeutInnen möchten manchmal „die Wände hochgehen“, wenn sie wieder und wieder Anfragen nach Therapieplätzen für Komplex-Traumatisierte erhalten und keinen Platz anbieten können oder sehen, dass KlientInnen nicht die Unterstützung bekommen können, die sie verdienen.

      Wenn eine TherapeutIn, im Rahmen eigener und struktureller Grenzen, ein „Mehr“ möglich machen kann, kann dass ggfs. sehr hilfreich sein.
      Auch dann, wenn dieses „Mehr“ nur gelegentlich bzw. vorrübergehend geleistet werden kann und dieses „Mehr“ in keiner Weise „genug“ sein kann.

      Ein sicherer Kontakt hängt m.E. nicht davon ab, wie viele Therapiestunden pro Woche stattfinden.
      Bei nur einer Stunde/Woche ist es nicht unmöglich, auch komplexe Traumafolgen zu bewältigen.
      Der Weg ist aber sehr viel länger und langsamer und noch anstrengender.
      Aus meiner Sicht ist das unnötig quälend und wäre vermeidbar bei am Bedarf orientierten Stundenfrequenzen.
      Aber es ist nicht unmöglich, auch unter miserablen äußeren Bedingungen, zu heilen.

      Betroffenen möchte ich Mut machen, sich HelferInnen zu suchen, die bereit sind, sie auf diesem Weg durch die Unzulänglichkeiten des Systems zu begleiten. TherapeutInnen und Beraterinnen, die empatisch und verlässlich zur Seite stehen, wenn gegen Grenzen des Möglichen gestoßen wird und immer wieder gemeinsam mit der KlientIn versuchen, Wege zu finden, die vorwärts führen, trotz aller Hindernisse.
      Es gibt sie.

  21. Aisha schreibt:

    Der Artikel spricht mir in vielen Ansichten aus dem Herzen. Ich bin eine Betroffene mit einer frühen Bindungsstörung und erfahrenden Missbrauch. Ich kämpfe seit vielen Jahren für „ein Leben“. Und nicht nur das die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen, ich bin ja bereit, auch selbst dafür zu zahlen, erlebe ich leider auch immer wieder ausgebildete Traumatherapeuten, die leider nur einmal die Woche einen Termin anbieten. Für mich ist es nicht möglich den inneren Kontakt zum Therapeuten über eine Woche aufrecht zu erhalten. Ich habe das Gefühl ich fange jedes Mal wieder von vorne an und der Therapeut ist mir fremd.
    Ich finde der Artikel muss viel mehr unter Therapeuten bekannt werden und manchmal dürfen Sie auch auf die Bedürfnisse der Patienten eingehen und nicht nur sagen, alle anderen haben auch nur eine Stunde in der Woche.

    Aisha

    • Moon Stegk schreibt:

      Danke für das Teilen Ihrer Erfahrung. Sie sprechen sowohl ein fachliches wie ein strukturelles Problem an.
      Immer noch gibt es viel zu wenig traumatherapeutisch gut ausgebildete TherapeutInnen, um den Bedarf ausreichend decken zu können.
      Gleichwohl gibt es mittlerweile eine stetig wachsende Anzahl von KollegInnen, die um die Notwendigkeit von psychotraumatologischer/traumatherapeutischer Weiterbildung wissen und sich entsprechend fortbilden.

      Fachlich gut ausgebildete TherapeutInnen wissen um den besonderen Bedarf in der Behandlung früher Bindungsstörungen und Komplextrauma, stoßen aber an strukturelle Grenzen.
      Richtlinien der Krankenkassen stammen aus einer Zeit, als es weder wissenschaftliche Erkenntnisse bzgl. Traumafolgestörungen gab, noch Behandlungskonzepte. Übliche Stundenfrequenzen mit einem 50-Minuten-Termin pro Woche reichen nicht aus für die Behandlung von Komplex-/Bindungstrauma und schweren dissoziativen Störungen.

      Nicht wenige TraumatherapeutInnen versuchen die strukturelle Mangelversorgung abzumildern, indem honorarfreie Kurzkontakte zwischen den wöchentlichen Terminen angeboten werden. Art und Umfang unterliegen hier den persönlichen Möglichkeiten der TherapeutIn und können dem tatsächlich vorhandenen Bedarf sicher nicht gerecht werden.
      Es ist noch ein langer Weg bis die Finanzierung bedarfsgerechter Stundenkontingente umgesetzt wird.

      Dennoch möchte ich Mut machen.
      Sie beschreiben die Schwierigkeit, den inneren Kontakt zum Therapeuten über eine Woche aufrecht zu erhalten. Das ist etwas, das viele Betroffene kennen.
      Veränderung ist hierbei auch mit nur einem wöchentlichen Termin möglich. Es dauert längert. Es ist quälend. Aber es ist möglich.
      Entscheidend ist, ob grundsätzlich ein guter Kontakt zum Therapeuten möglich ist. Also bitte „dran bleiben“ und durchhalten. Es ist möglich.

  22. Heart of a Dragon schreibt:

    Konstruktiv: Ein Beipackzettel, ähnlich wie eine Patientenaufklärung bei Operationen, hat Inhalt unten stehender Materialien zu enthalten. Dass das bisher kein Standard ist, sondern in Erstgesprächen munter drauf los aufgedeckt wird, sollte jedem klar sein, der/die eine Therapie beginnen möchte. Und das kann schief gehen. Ein großes DANKE übrigens, dass Sie überhaupt auf Risiken und Nebenwirkungen eingehen und sich dafür sehr viel Zeit nehmen.

    Was über Risiken, invasive Therapetechniken gehören dazu (wie die Davanloo Introjekte sie gerne prakti- bzw. projezieren)
    http://www.uni-kassel.de/fb01/fileadmin/datas/fb01/Institut_fuer_Psychologie/Dateien/Professoren/Moeller/Artikel/M2005_Psychotherapie_und_Supervision.pdf

    Und was Schönes über Nebenwirkungen aus Klientensicht. http://www.dgvt.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Kongress/Kongress_2010/Praesentationen/SY16-1-Mo-0930-L%20116_A.%20Conrad_Nebenwirkungen.pdf

    Ehrlich währt am längsten, und warum nicht über diese Nebenwirkungen standardmäßig und ausführlich aufgeklärt wird, ist und bleibt ein Rätsel. Ein Fall für Gunther Wallraff.

    • Heart of a Dragon schreibt:

      Die Nebenwirkungen zu relativieren und definieren ist richtig, kann aber schnell als Abwehrmechanismus entlarvt werden, wenn damit ausschliesslich der Fokus zu den positiven Wirkungen verschoben wird, was nicht ganz unüblich ist.

    • Heart of a Dragon schreibt:

      Die Gestalt der Risiken und Nebenwirkungen sollte angenommen und zum Abschluss gebracht werden. Hier noch mehr aus dem Netz.http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000011537/Misslungene_Therapie_Conrad_2009.pdf

    • Moon Stegk schreibt:

      Traumatherapie bedeutet nicht zwangsläufig, dass es einem von Stunde zu Stunde kontinuierlich besser geht. Therapie ist Arbeit und es kann – immer wieder – Zeiten geben, in denen es scheint, als würde es schlimmer, weil man sich dem nähert, was angstbesetzt und schmerzhaft ist oder es kann sich anfühlen, als würde man feststecken. Das gehört zum therapeutischen Prozess dazu.

      TherapeutInnen sind Menschen und Menschen machen Fehler.
      Gelingt es, in der Therapie einen guten Umgang damit zu finden, kann aus einem TherapeutInnen-Fehler eine wertvolle Erfahrung für die KlientIn werden:
      Fehler sind dazu da, um aus ihnen zu lernen. Es kann gelernt werden, wie man etwas besser machen kann und dass es andere, neue, konstruktive Wege gibt, mit Fehlern umzugehen.

      Es gibt nicht DIE TherapeutIn bzw. DAS Therapieverfahren.
      Eine TherapeutIn bzw. ein Therapieverfahren, das zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben gut passt, kann in einer anderen Lebensphase als wenig hilfreich erlebt werden.
      In einem solchen Fall kann gemeinsam nach passenderen Alternativen gesucht werden.

      Hiervon abzugrenzen sind destruktive Strukturen.
      Psychotherapie sollte so ausgerichtet sein, dass Selbstwahrnehmung, Reflektionsfähigkeit, Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen, gefördert werden. Das gilt sowohl für das Therapieverfahren als auch für die Person der TherapeutIn.
      Besteht die Vermutung, dass therapeutische Grundregeln keine Beachtung finden, ist es möglich, sich Unterstützung zu suchen, beispielsweise in einem Gespräch mit der behandelnden ÄrztIn, in einer Fachberatungsstelle oder mit der Patientenbeauftragten der Krankenkasse.

      • Goldiger Milchstern schreibt:

        Danke für die vielen Informationen. Ich bin selbst betroffen von schweren Verlusten und sexuellen Ausbeutungen in meiner Kindheit. Arbeite seit vielen Jahren an den Folgen mit hilfe von Therapeutinnen und anderen alternativen Möglichkeiten. Es hat viel Kraft, Zeit und Geld gekostet bis ich meinen heutigen Zustand erreicht habe. Aus aktuellem Anlaß geht es mir zur Zeit wieder sehr schlecht alte und neue Erinnerungen tauchen auf und quälen mich und mein Leben (sexueller Missbrauch in meiner Familie). Habe jetzt erneut meine Therapeutin aufgesucht um erneut weiter an meinen Traumen zu arbeiten. Die Kasse stellt sich mit der Finanzierung an da sie meinen mir ging es ja die letzte Zeit recht gut und wie kann es sein das wieder Probleme auftauchen??? Heilung von schweren Traumen bedeutet für mich einen lebenslangen Prozess.
        Egal ich werde weiter Therapie machen ggf. muss ich die notwendigen Stunden selbst bezahlen. Erschreckend finde ich immer wieder das viele Menschen auch sogenannte Profis überhaupt keine Ahnung haben wie es traumatisierten Menschen geht und was sie vielleicht wirklich bräuchten. Ich habe zum glück Menschen gefunden die mir helfen konnten meinen Weg zu gehen. Danke an alle…

        • Moon Stegk schreibt:

          Heilungswege nach Traumatisierungen sind so individuell wie der Mensch, dem Gewalt angetan wurde.
          Es kann sein, dass die Bewältigung der Folgestörungen innerhalb einer Therapie gelingt. Auf dem Weg der Heilung kann es therapiefreie Zeiten geben.
          Es ist möglich, dass ein Therapieverfahren für den gesamtem Therapieprozess passt oder dass in einer bestimmten Lebensphase dieses oder jenes Verfahren hilfreicher ist. Es kann Zeiten geben, in denen lieber mit einem männlichen oder lieber mit einer weiblichen TherapeutIn gearbeitet wird.
          Die Gründe hierfür sind vielfältig. In jedem Fall ist es der eigene Weg, auf dem immer wieder danach geschaut werden darf, was in der jeweiligen Lebenssituation als unterstützend empfunden wird.

          Die Beantragung von Folgetherapien kann auf Schwierigkeiten mit Kostenträgern stoßen. Gegen einen Ablehnungsbescheid kann Widerspruch eingelegt werden.

          Ihr Kommentar beschreibt, dass es möglich ist, hilfreiche Begleitung auf dem Weg der Heilung zu finden, obwohl man durch Begrenzungen im Gesundheitssystems auf erhebliche Hinternisse stößt.
          Das macht Mut. Danke.

    • Chaosteam schreibt:

      Wer sich in therapeutische Behandlung begibt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er die Selbstverantwortung nicht an der Garderobe abgibt. Menschen in therapeutischer Behandlung bleiben einfach selbstverantwortliche Menschen. Man fängt doch auch keine medikamentöse Behandlung an, ohne sich zuvor hinreichend über den Ablauf und die Auswirkungen zu erkundigen, und zwar bevor man eine Behandlung beginnt.
      Ich weiß, dass es Therapeuten gibt, die nicht darüber aufklären, dass Therapie KEIN Spaziergang ist. Allerdings sollte einem das auch schon der klare Menschenverstand sagen. Denn wäre es alles ganz leicht und einfach, hätte man dann Therapie nötig? Wo tiefer Schmerz im Verborgenen versteckt werden musste, tut es auch weh, ihn wieder auszugraben.
      Wenn ich meinen Garten umgraben will, um dort Gemüse anzupflanzen, muss mir dann der Verkäufer im Gartencenter, bei dem ich den Spaten erwerbe, sagen, dass ich Rückenschmerzen bekommen könnte und schlimmen Muskelkater? Oder der, der mir die Saatpflanzen verkauft, mich darauf hinweisen, dass die Schnecken sie fressen könnten?

      Menschen tragen selbst Verantwortung. Dafür, das zu erfragen was sie wissen wollen. Dafür, sich ausreichend zu informieren. Dafür, das zu sagen was sie stört. Für ihr Wohlergehen und auch für ihr Leid. Jeder hat immer die Möglichkeit, selbst zu wählen.
      Aber ganz egal für welchen Therapeuten und welches Therapieverfahren er sich entscheidet, wenn er sich auf die Arbeit an sich selbst einlässt, dann muss er damit rechnen, dass sich etwas verändern wird. Will man das nicht, sollte man dann besser auch keine Therapie in Anspruch nehmen.

      Und sicherlich gibt es TherapeutInnen, die wirklich grobe Fehler begehen und KlientInnen missbrauchen. Doch auch hier haben die Betroffenen jederzeit die Möglichkeit, sich anderen damit anzuvertrauen, und dann auch ganz klar etwas gegen diese TherapeutInnen zu unternehmen. Damit muss niemand allein blieben. Denn das sind durchaus strafbare Handlungen.

  23. Maja070707 schreibt:

    Nach schrecklichen Therapieerlebnissen, u.a. auch bei einem und hoch konfrontativen Analytiker bin ich völlig am Ende meiner Kräfte und fast zufällig auf meine jetzige Therapeutin gestoßen. Eher nebenbei stellte sich im Lauf der Zeit heraus, dass sie intensiv traumatherapeutisch mit mir arbeitet.
    Zum ersten Mal nach Jahren mit vielen anstrengenden, erniedrigenden und weiter traumatisierenden Therapiestunden fühlte ich mich innerhalb kurzer Zeit bei dieser Therapeutin sicher, verstanden, ernst- und angenommen. Meine dissoziativen Zustände, die ich oft nach den Stunden bei den vorherigen Therapeuten hatte, wurden relativ schnell und deutlich weniger. Sie half mir zu verstehen, was mir in der Vergangenheit und in den zurückliegenden Therapien passiert ist. Und sie bot mir immer wieder an, dass ich mich in Krisen melden kann. Allein das war schon sehr beruhigend für mich, sodass ich nur sehr selten, und das dann, wenn tatsächlich Gefahr für weitere selbstschädigebfe Handlungen drohten, dieses Angebot in Anspruch nehmen musste. Das Verstehen, warum ich immer wieder so extrem auf bestimmte Dinge reagiere und die seither gelernten Handlungsslternativen, unterstützen meinen Heilungsprozess enorm.
    Meine Grschichte ist sicher kein Einzelfall. Bei mir haben sowohl Verhaltenstherapie als auch analytische Therapie zu gravierenden Verschlechterungen meines Zustnds geführt. Meine jetzige Therapeutin war die erste, die mein Problem sofort erkannt und mich angemessen behandelt hat. Es hat sich eine stabile, sichere therapeutische Beziehung entwickelt. Ich kann mir jetzt sicher sein, dass ich hier nicht weggeschickt, verraten oder weiter schlecht behandelt werde. In diesem geschützten Raum kann ich gesund werden. Es war bis hierher bewusst der härteste Weg in meinem Leben, denn in den vorherigen Therapien hat sich das Traumatische von früher teilweise wiederholt. Diese Therapien hätte ich fast nicht überlebt.
    Ich glaube nach all meinen Erfahrungen, dass es nicht wenige Suizide während Therapien gibt, weil sich – warum auch immer – im therapeutischen Prozess das traumatische Erleben reinszeniert. Wer durch einen solchen Prozess plötzlich Gefühle spürt, die er nie mehr spüren wollte und durfte und dabei nicht angemessen aufgefangen wird, ist nach eigenem Erleben unter Umständen lieber bereit nicht mehr zu leben als das von früher nochmal auszuhalten.
    ich habe beiden Therspeuten damals gesagt, wie schlecht es mir immer wieder geht und ich immer wieder Situationen habe, in denen ich für nichts garantieren kann, sie haben es einfach nicht ernst genommen.
    Erst als es während eines dissoziativen Zustands zu einer erheblichen Selbstverletzung mit nachhaltigen Folgen kam, realisierte man den Ernst der Lage.
    all diese Symptome haben seit der Traumatherapie deutlich abgenommen und mir geht es viel besser.
    Ich bin sehr froh, dass es solche Artikel sie diese gibt!!!

    • Moon Stegk schreibt:

      Vielen Dank für die schöne Rückmeldung und das Teilen Ihrer Erfahrungen.
      Verstehen lernen ist gleichermaßen einer der schwersten, aber auch einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg der Heilung.
      Vieles muss verstanden werden. Wie es früher war. Wie es jetzt ist. Wie es jetzt nach und nach anders und besser werden kann.
      Verstehen lernen braucht eine Umgebung, in der man sich, genau wie Sie es beschreiben, sicher, verstanden, ernst und angenommen fühlen kann.

      Mit Ihren Erfahrungen berichten Sie auch noch von etwas anderem.
      Obwohl es damals so schlimm war und trotz verstörender oder sogar retraumatistierender Therapieerfahrungen, ist es möglich, eine TherapeutIn zu finden, mit der man verstehen lernen und Schritt für Schritt heil und ganz werden kann.
      Das macht Mut.

  24. Nina schreibt:

    Der Artikel ist wirklich toll und mit so viel Herz geschrieben. Was ich lese berührt mich sehr, denn es ist genauso, wie Sie es schreiben. Es ist so schwer als traumatisierter Mensch Vertrauen zu lernen, wenn man nie Urvertrauen gelernt hat, auf dem man aufbauen könnte. Ich bin froh, dass ich eine Therapeutin gefunden habe, die scheinbar genau das weiß, was sie geschrieben haben. Auch wenn ich nach eigentlich langer Therapiezeit noch oft misstrauisch werde und plötzlich wieder Angst habe, obwohl es eigentlich nicht nötig ist, werde ich immer wieder davon überzeugt, dass ich ok bin, wie ich bin und egal was ich erzähle, es ist alles ok. Früher dachte ich, dass es so etwas nicht gibt und alle Menschen böse sind. Die Menschen im Außen waren alle böse, aber in meiner eigenen Welt gab es auch gute, liebe, feenartige Wesen. Nur dachte ich nie, dass es das auch in Menschenform tatsächlich gibt. Ich merke schon seit 3-4 Jahren, dass die Welt bunter ist, als ich immer dachte und trotzdem ist es für mich immer noch unfassbar, dass es nicht nur böse Menschen gibt. Wenn ich lese, wie Sie schreiben, bin ich noch überzeugter, dass die Welt nicht ganz so dunkel ist, wie ich es immer dachte. Ich habe auch absoluten Respekt vor Therapeuten die mit zum Teil schwer traumatisierten Menschen arbeiten. Und die das so gut und gerne tun und auch aushalten können, denn das ist mit Sicherheit oft alles andere als einfach. Vielen Dank für so viel Verständnis und Herzenswärme auf dieser oft zu frostigen Welt.

    • Moon Stegk schreibt:

      Vielen Dank für Ihren berührenden Kommentar.
      Wenn ein Kind gelernt hat, dass die Welt ein gefährlicher Ort ist, fühlt es sich so an, als wäre man auf ewig in der Dunkelheit gefangen.
      Eine „andere Welt“, eine die freundlich, hell und bunt ist, scheint nicht zu existieren.
      Diese „andere bunte Welt“ gibt es, aber sie ist noch unbekannt. Sie muss erst nach und nach kennengelernt werden. Das braucht Zeit.
      Misstrauen und Angst können auch nach langer Therapiezeit noch vertraute Wegbegleiter sein.
      In dem Maße, wie es gelingt, nach und nach neue gute Erfahrungen zu machen und ganz allmählich Gefühle von Vertrauen und innerer Sicherheit wachsen zu lassen, lichtet sich die Dunkelheit und man kann selbst erkennen, dass es wirklich eine helle, freundliche, bunte Welt gibt.

      Ich freue mich sehr, dass Sie eine Therapeutin gefunden haben, die Ihnen beim Kennenlernen dieser bunten Welt hilft.
      TherapeutInnen können „viel erzählen“ von „der Welt jenseits der Dunkelheit“. Glauben, dass eine solche Welt existiert, geht nur durch eigenes Erleben.
      Sie berichten aus eigener Erfahrung davon, dass es wirklich möglich ist.
      Das kann anderen Überlebenden, die sich auf diesen Weg machen (wollen), Hoffnung und Mut geben. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bei Ihnen bedanken.

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